© J.Dreßler 2011-12 Fragenkatalog mit Beispielen Nachfolgend finden Sie einige Fragen und Erläuterungen, die es Ihnen ermöglichen, sich einen  Überblick zu verschaffen, ob Ihr Kind eventuell eine Lese-Rechtschreibschwäche oder  Legasthenie hat. Legasthenie ist natürlich nicht auf Kinder beschränkt, das habe ich ja bereits  unter Legasthenie?! erläutert - auch als Erwachsene können Sie hiermit einschätzen, ob Ihre  Fehler vielleicht von einer nie festgestellten Legasthenie herrühren. Eine umfangreiche Überprüfung mit standardisierten Tests kann dieser Überblick aber nicht  ersetzen. Diese sind auch notwendig für eine schulische Anerkennung der Legasthenie. 1. Ihr Kind verliert schnell das Interesse an Lese- und Schreibaufgaben? Damit ist nicht eine typische Unlust bei vielen Hausaufgaben, schönem Wetter oder einer Einladung zu Freunden gemeint. Vielmehr ist es verwunderlich, dass ein Kind, das sich sonst Stunden mit Spielen, Freunden oder dem Haustier beschäftigen kann, sobald es ans Lesen oder Schreiben geht, schnell unkonzentriert wird, nicht stillsitzen kann, den Blick überall hin, nur nicht auf Heft und Buch richtet, mit den Gedanken abschweift, ablenkt oder tagträumt. 2. Ihr Kind ermüdet schnell bei Lese- und Schreibaufgaben? Auffällig sind das Reiben der Augen, Blinzeln, häufiges Gähnen, Ausstrecken, Herum- rutschen auf dem Stuhl oder Aufstehen, viele Nachfragen, scheinbare Hörprobleme und Nicht-Verstehen. 3. Ihr Kind versucht mit allen Mitteln Lesen und Schreiben zu meiden? Hier gibt es zwei Extreme, in die die meisten Kinder verfallen. Die einen ziehen sich zurück, gehen den Arbeiten aus dem Weg, trödeln und werden mit angefangenen Aufgaben ewig nicht fertig. Um Schule und Klassenarbeiten zu vermeiden, klagen sie oft über Krankheiten, haben immer weniger Lust auf Schule und halten sich manchmal für minderwertig. Ganz anders als diese sich zurückziehenden Kinder mit immer geringerem Selbstvertrauen ist das andere Extrem. Diese Kinder neigen zu vermehrtem Bewegungsdrang, laufen gern auch ohne Grund umher, vor allem wenn es um Stillarbeit geht, sie schwatzen gern und laut, wenn niemand zuhört auch mit sich selbst, angebotene Hilfe wird meist überlegen abgelehnt und es gibt nichts, was sie nicht können oder schon gemacht hätten. Bei manchen Kindern steigert sich dieser Tatendrang bis hin zur Aggressivität. 4. Ihr Kind liest auch mit viel Übung stockend und ungern laut? Die erste Reaktion, wenn ein Kind schlecht liest und rechtschreibt, ist Üben, Üben und nochmals Üben. Verwunderlich ist dann meist, dass das sonst gescheite Kind mit guter Auffassungsgabe auch nach vielen Stunden intensiven Leseübens scheinbar nicht besser wird. Dies fällt auch oft erst später auf, denn die kurzen, schon in der Schule gelesenen Texte lernen Kinder schnell auswendig. Bei unbekannten Texten werden häufig Wörter ausgelassen, Buchstaben vertauscht, Wörter durch ähnlich aussehende ersetzt oder der Anfang gelesen und das Ende ausgedacht, um nur einige Fehler zu nennen. Es ist auch sehr selten, dass solche Kinder freiwillig ein Buch mit viel Text und wenig Bildern zur Hand nehmen. 5. Ihr Kind neigt zu vielen Rechtschreibfehlern? Hier sind wir beim eigentlichen Hauptmerkmal angelangt, denn die vom Legastheniker gemachten Fehler unterscheiden sich in ihrer Häufigkeit und Unbeständigkeit von den Fehlern ihrer Altersgenossen. Oft wird ein und dasselbe Wort innerhalb eines Textes unterschiedlich geschrieben. Hier möchte ich Ihnen eine kleine Übersicht der häufigsten Fehlerarten mit Beispielen geben: Verwechseln ähnlich aussehender Buchstaben - z.B. B/D, a/e, n/m, h/b, v/w, i/l Verwechseln ähnlich klingender Buchstaben - z.B. d/t, g/k, b/p, gs/x Verdrehen oder Umkehren von Buchstaben - z.B. M/W, q/d, Z/N, d/b Auslassen, Vertauschen und Hinzufügen von Buchstaben - z.B. geich - geilch - geleich Einfache, geläufige Wörter werden falsch geschrieben - z.B. vür, dsa, dehr, wihr, tu, unt Im Satz werden ganze Wörter, in langen Wörtern Wortteile vergessen Häufige Regelfehler - Schwierigkeiten mit Groß- und Kleinschreibung, Dehnungs-h, Schärfungen - z.B. schwihmen, faren, müsen, kletern   “Onhe lekasteni were das Lebn üdülüsch.” Dass es auch mit oder trotz Legasthenie gut läuft, dafür sorgt das richtige Training!