© J.Dreßler 2011-12 Was ist Legasthenie? Von Legasthenie oder einer Lese-Rechtschreib- störung spricht man, wenn die Lese-Rechtschreib- leistung nicht der Entwicklung und Intelligenz des Kindes entspricht. (siehe Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO) Um dies festzustellen, bedarf es also nicht nur Tests im Lesen und Schreiben, sondern auch eines Intelligenztests. Wichtig ist, dass eventuelle Beeinträchtigungen des Gehörs und der Augen ausgeschlossen werden können. Legastheniker sind nicht dumm! Dies möchte ich ganz klar allem weiteren voranstellen, denn leider begegnet man diesem Vorurteil noch viel zu oft. Woher kommt Legasthenie? Eine Legasthenie ist erblich bedingt und man ist sich ziemlich sicher, die verursachenden Gene entschlüsselt zu haben. Diese führen zu einer veränderten Sinnenswahrnehmung, allerdings nicht an Augen oder Ohren selbst, sondern in der Verarbeitung im Gehirn. Die “korrekt” aufgenommenen Seh- und Hörreize werden vom Hirn “falsch” interpretiert. Besonders auffällig wird diese Fehlinterpretation erst im Zusammenhang mit Sprachaufgaben und bei der Verarbeitung von Symbolen, z.B. von Schrift. Ist Legasthenie heilbar? Eine Legasthenie ist nicht heilbar, aber durch gezieltes Training werden sehr gute Ergebnisse erreicht, die es legasthenen Kindern und Erwachsenen ermöglichen, durchschnittliche Leistungen Gleichaltriger zu erbringen. Wichtig hierbei ist das frühzeitige Feststellen und Trainieren. Eine Legasthenie wächst sich auch nicht aus (s.WHO), es können Fortschritte wahrgenommen werden, aber ohne qualifizierte Hilfe wird die Lese-Rechtschreibleistung keine wirkliche Verbesserung zeigen. Mit diesem kurzen Einblick in ein sehr großes, noch recht neues Forschungsgebiet können natürlich nicht alle Fragen beantwortet werden, vielleicht kommen jetzt erst recht Fragen bei Ihnen auf, die ich Ihnen gern beantworten möchte. Für weitere Informationen möchte ich Ihnen auch folgende Internetseiten ans Herz legen: Bundesverband Legasthenie Landesverband Legasthenie Mecklenburg-Vorpommern Über die letztgenannte Seite finden Sie auch den Legasthenie-Erlass, der über die von Land und Schule angedachten Fördermöglichkeiten und Nachteilsausgleiche in Mecklenburg-Vorpommern informiert. Für eine erste, eigene Einschätzung, ob Ihr Kind eventuell legasthen ist, habe ich Ihnen einen kleinen Fragenkatalog zusammengestellt. Definition der WHO F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung  Das Hauptmerkmal ist eine umschriebene und bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht allein durch das Entwicklungsalter, Visusprobleme oder unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Leseverständnis, die Fähigkeit, gelesene Worte wieder zu erkennen, vorzulesen und Leistungen, für welche Lesefähigkeit nötig ist, können sämtlich betroffen sein. Bei umschriebenen Lesestörungen sind Rechtschreibstörungen häufig und persistieren oft bis in die Adoleszenz, auch wenn einige Fortschritte im Lesen gemacht werden. Umschriebenen Entwicklungsstörungen des Lesens gehen Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der Sprache voraus. Während der Schulzeit sind begleitende Störungen im emotionalen und Verhaltensbereich häufig. (Quelle: ICD-10-WHO Version 2011) Hätten Sie’s gewusst? Folgende Persönlichkeiten waren oder sind Legastheniker: Albert Einstein Hans Christian Andersen Walt Disney Charles Darwin Ernest Hemingway Leonardo da Vinci Steven Hawkins Steven Spielberg Whoopi Goldberg Victoria von Schweden